Heute lese ich …

Heute lese ich … „Sauna mit Nachbar“ von Roope Lipasti erschienen 2017 im Heyne Verlag.

61m5nrgsevl-_sx328_bo1204203200_ Zum Inhalt laut Verlagshomepage: Er lebt auf einem alten Bauernhof im ländlichen Finnland und hat nichts zu tun – für einen alleinstehenden Geschichtslehrer um die fünfzig können die Sommerferien sehr lang sein. Da bietet der chaotische Nachbar ein dankbares Forschungsobjekt. Er ist begeisterter Heimwerker, bringt jedoch keines seiner ambitionierten Projekte zu Ende. Gerade hat er ein neues angefangen, eine Sauna. Der Geschichtslehrer bemerkt, dass seine schöne Nachbarin das Projekt ihres Mannes nicht unterstützt, und beginnt, es ebenfalls zu sabotieren. Als sich der Nachbar versehentlich mit einer Nagelpistole in den Bauch schießt und ins Krankenhaus muss, sieht der Geschichtslehrer seine Chance gekommen, das Herz der Nachbarin zu erobern.

Bis sich der Nachbar tatsächlich mit der Nagelpistole in den Bauch schießt, ist das Buch übrigens fast zu Ende und auch sonst zieht sich dieses Buch und die Sätze – ja, die ganze Geschichte – sehr lang und endlos dahin.

„Auf der Welt gibt es viel Dummheit. Sie findet sich als Konzentrat in Bergen, Tälern, Findlingen, kleinen Steinen und auf dem Grund von Bächen, aber das reichste Vorkommen nistet zwischen den Ohren meines Nachbarn. Das darf jedoch nicht falsch verstanden werden. Ich mag meinen Nachbarn sehr, denn es ist schwer, ihn nicht zu mögen. Er ist nur zufällig ein höchst origineller Mensch, was ihn gleichzeitig vollkommen unerträglich macht.“

Sowohl der Geschichtslehrer, als auch der Nachbar scheinen recht skurrile Menschen zu sein – der eine unendlich pedantisch und korrekt, der andere unendlich alternativ und locker. Und dies leider in meinen Augen dermaßen überspitzt, dass es mich zunehmend nervt. Dazu kommt, dass außer der Frau des Nachbarn, namens Emilia, keiner der Mitwirkenden einen Namen besitzt. Es bleiben der Geschichtslehrer, der in Ich-Form die Geschichte erzählt, seine verstorbene Frau, der Nachbar, die Kinder des Nachbarn – und das führt zu einer extremen Distanz zwischen mir als Leser und den Personen. Keiner berührt mich, keiner kommt mir nah.

Die Handlung zwischen den beiden Männern, die im wesentlichen aus abgehobenen, versucht sarkastischen Dialogen besteht, ist für mich so überspitzt und tatsächlich auch Klischeebehaftet, wie die Handlungen der Männer überhaupt, dass es mich nicht packt, sondern einfach nur langweilt und nervt.

„Ich musterte diesen Vertreter der jüngeren Generation, der meine Rente bezahlen und mich füttern würde, wenn ich alt bin. Auf seinem Teller schwamm ein See von Ketchup. Besorgnis überkam mich.“

Die dazwischen gestreuten philosophischen Gedanken waren recht unterhaltsam, vermochten in meinen Augen das Buch jedoch nicht zu retten.

„Man möchte meinen, dass die Trauer nicht verblasst, aber das tut sie, sie verblasst und legt sich. Zugleich macht sie das Leben gleichgültiger und geschmacksärmer, es wird wie der Frühstücksbrei ohne Butterflöckchen.“

Das war mir einfach zu viel und für mich leider ein Fehlgriff!

 

Einen herzlichen Dank an den Verlag, der mir das Buch als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Ich gebe hier – trotz kostenlosem Exemplar  – meine eigene, ehrliche Meinung wieder …

 

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2 Gedanken zu “Heute lese ich …

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