[Story-Samstag] Der erste Satz …

Manche Ehen gehen ja über die ersten paar Sätze nicht hinaus, aber das Thema hatten wir ja schon beim letzten Story-Samstag. Diese Woche geht es um den ersten Satz …. quasi als Starthilfe zum einfach-drauf-los-schreiben schenkt uns Tante Tex diesen und dieser lautet:

storysamstag

Vom Geld war nichts mehr übrig…..

… dabei waren es noch fünf Tage bis zum nächsten Monatsersten und bis sie die nächste Rentenzahlung erwarten konnte. Drei Bananen hatte sie noch, ebenso etwas Brot – das Frühstück war also schon mal gesichert. Ob sie es heute Abend wagen konnte, zu ihrem Sohn zum Essen zu gehen? Oder sollte sie es besser auf morgen aufschieben? Sie wollte nicht lästig werden und schließlich lebten Karl und Ursula ihr eigenes Leben. Was sollte sie alte Frau da auch? Und sie hatten ja schließlich gerade auch so Probleme mit Anne, ihrer Tochter. Sie hatte das Gefühl, als würden sie ihr da auch nicht alles erzählen.

Ein nagendes Hungergefühl machte sich in ihrem Magen breit. Ob sie vielleicht doch eine halbe Banane essen sollte? Aber dann würde die in den nächsten Tagen fehlen.

Manchmal fragte sie sich schon, wie es so kommen konnte. Ihr Mann war verändert aus der Kriegsgefangenschaft zurück gekehrt, aber immer noch liebevoll. Die Amis hatten ihn gerettet – da hatte er quasi schon an der Wand gestanden, die Binde um die Augen, die Russen mit den Gewehren vor ihm. Danach hatte er sich bald selbstständig gemacht.  Drei Kinder hatten sie groß gezogen. Reich waren sie nie gewesen, aber meist war doch alles gut. Und dann war alles irgendwie schief gegangen. Der windige Geschäftspartner, der Konkurs, die Scheidungen bei zweien der Kinder und dann erst der Schlaganfall und schließlich der frühe Tod von H. Da hatte sie realisieren müssen, dass nicht wirklich viel übrig geblieben war. Natürlich halfen die Kinder, wo sie nur konnten, aber sie wollte ihnen ja auch nicht zur Last fallen. Deshalb auch das geheime Konto – ihre Ersparnisse – wenn sie dann auch starb, sollten die Kinder nicht noch mit den Kosten für die Beerdigung da stehen.

Vielleicht konnte sie ja die zwei Möhrchen abkochen, die schon ein paar Tage im Kühlschrank lagen. Der Sud mit ein wenig Salz und Pfeffer würde bestimmt auch wärmen. Und zumindest vorübergehend das Loch im Magen füllen.

In Erinnerung an I. ❤

 

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17 Gedanken zu “[Story-Samstag] Der erste Satz …

  1. Pingback: [Story-Samstag] Und wenn Sie nicht gestorben sind… – Tante TeX textet

  2. Erinnert mich an die Zeit als Alleinerziehende Mutter, wo man dem Kind mehr gönnte als sich selbst. Die Frage war öfters, wie man überlebt, nicht wie man lebt.
    Dafür bin ich sehr dankbar, dass ich immer wieder tolle Menschen neben mir hatte (und habe)

    Folglich kein Thema, dass es nur zur Nachkriegszeit gab und das nur ältere Menschen betraf/betrifft.

    Gefällt 1 Person

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