[Buch-Date] Ein Gastbeitrag

Da die liebe Susanne von Lovely Places einen reinen Reiseblog führt, es sich aber dennoch nicht nehmen lassen wollte, beim Buch-Date mit zu agieren, gibt es hier einen Gastbeitrag von ihr zu dem Buch, das sie gelesen hat…..

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Stefan Zweig „Angst“, empfohlen von Vro jongliert

Die liebe Veronika von vro jongliert hatte mir ja mehrere tolle Bücher zur Auswahl beim Buchdate mit dem Thema „Moderne Klassiker“ präsentiert. Eigentlich habe ich mich auf den ersten Blick schon für Stefan Zweigs Novelle „Angst“ entschieden. Bisher kannte ich den österreichischen Autor  nur von der „Schachnovelle“, die mir noch düsterst aus dem Schulunterricht in Erinnerung ist. Aber nun gut, „Angst“ ist ein starkes Gefühl, also erhoffte ich mir eine ebenso starke Erzählung.

Das schmal Reclam-Bändchen von „Angst“ umfasst nur 64 sehr überschaubare Seiten Text. Die Handlung ist schnell erzählt, um 1910 wird Irene, Dame aus gutem Hause, von der eifersüchtigen ehemaligen Gespielin ihres Geliebten erpresst. Einer ersten unangenehmen Begegnung auf dem Flur vor dem Zimmer des Musikers folgen immer dreistere Forderungen der Frau nach Geld. Irene, mit einem Verteidiger verheiratet, zwei Kinder, erkauft sich so immer wieder ein paar Stunden Zeit, doch der Druck nimmt sukzessive zu. Sie weiß, dass sie bald die Erpresserin nicht mehr zufriedenstellen kann, ohne ihren Mann um Geld bitten zu müssen.

Zweigs Gabe ist, dem Leser Irenes immer stärker werdende Angst zu vermitteln. Zuerst kann sie sie noch abschütteln, dann wird sie zu ihrem permanenten Begleiter, bis sie nach sechs Tagen schließlich von ihr dominiert wird und an nichts anderes mehr denken an. Ihr Leben ist kein Leben mehr, verkommt zur Nebensächlichkeit, je mehr sie sich der fremden Dame ausgeliefert sieht. Auf die Angebote ihres Mannes, der ihre angespannte Stimmung bemerkt, sich ihm anzuvertrauen, geht sie nicht ein, fürchtet sie doch seine Reaktion.

Irene muss erst und dem Druck zusammenbrechen, damit ihr Mann zugibt, dass die Erpressung sein Plan gewesen ist, sie wieder an sich zu binden. Die Nebenbuhlerin ist nur eine Schauspielerin. Überraschenderweise ist Irene ihm nicht einmal böse, sondern erleichtert, eigentlich das einzige Detail der Erzählung, das mir nicht wirklich gefällt. Aber diese Reaktion ist vermutlich der Zeit geschuldet.

Interessant ist vielleicht auch die Entstehung der uns heute vorliegenden Novelle: Sie nahm 13 Jahre in Anspruch, wurde in der Zeit, in der der Erste Weltkrieg auch Europa erschütterte, immer wieder überarbeitet, bis sie sich endlich sehr stark von der ersten Fassung unterschied. Wohl auch, weil Zweig sich in diesen Jahren stark entwickelte, liegt der Fokus jetzt auf Irenes Innenleben, auf ihren Selbstreflektionen,  und ist nicht mehr so pathetisch wie der erste Entwurf.

Fazit? Da mich generell Romane reizen, die die Psyche von Protagonisten zum Thema haben, war die Erzählung genau mein Fall. In Kombination mit der Atmosphäre des frühen 20. Jahrhunderts in Wien: top! Jetzt stehen auch Zweigs beide Werke „Der Zwang“ und „Amok“ auf meiner Leseliste, danke, Veronika, für die Inspiration!

 

Danke liebe Susanne, für deinen Beitrag und auch dieses Buch wandert auf meine Leseliste … Ich freue mich sehr, dass du mit dabei warst 🙂

 

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4 Gedanken zu “[Buch-Date] Ein Gastbeitrag

  1. Pingback: [Buch-Date] Sammelbeitrag | wortgeflumselkritzelkram

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