Heute lese ich …

Heute lese ich … „Marthas Widerstand“ von Kerry Drewery, erschienen 2017 bei Bastei Lübbe.

510194x4pol-_sx335_bo1204203200_  Zum Inhalt lt. Verlagshomepage: Martha ist des Mordes angeklagt und sitzt in der ersten von sieben Zellen. Sieben Tage lang stimmt das gesamte Volk darüber ab, ob sie freigesprochen oder in eine kleinere Zelle verlegt wird. Die siebte und letzte Zelle ist klaustrophobisch klein, und genauso klein sind Marthas Chancen auf einen Freispruch. Denn die Umfragen zeigen, dass der Großteil der Bevölkerung sie sterben sehen will –
Doch was wäre, wenn Martha genau darauf spekuliert. Um dem Volk zu zeigen, dass es nicht in einer perfekten Demokratie lebt, sondern von den Machthabern perfide manipuliert wird? Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt, bei dem viel mehr als ein einzelnes Menschenleben auf dem Spiel steht …

Was wäre, wenn … es keine Anwälte oder Richter mehr gibt, keine Gerichtsverhandlungen und keine Beweisführung. Allein das Volk – oder besser gesagt, das zahlungskräftige Publikum – entscheidet darüber, ob jemand schuldig oder unschuldig ist und dieser dann direkt im Anschluss eines Televotings vor den Augen der Zuschauer hingerichtet wird?

Das ist keine leichte Kost, das uns die Autorin da präsentiert. Und erschwert wird das ganze durch ihren sehr speziellen Schreibstil. Sowohl die Sätze als auch die einzelnen Kapitel sind zwar kurz und knapp gehalten, dabei aber auch leicht emotionslos. Zudem springt sie zwischen der ersten und dritten Erzählform hin und her und als wäre dies noch nicht genug, lesen sich die Aufnahmen im Fernsehstudio eher wie ein Drehbuch. Ab ca. der Hälfte des Buches wird es zwar richtig spannend, jedoch bleiben die Personen blass und kommen mir nicht nahe. Und die Geschichte selbst wirkt leicht überzogen, jedoch nicht realitätsfern.

Aber das Hauptaugenmerk von Kerry Drewery liegt m. M. nach auch eher auf etwas anderem: Gerade in dieser Überzogenheit der Geschehnisse zeigt sich die Macht der Medien. Wie leicht es ist, Menschen zu beeinflussen, zu steuern und zu belügen. Und wie leicht es ist, vor dieser Verlogenheit die Augen zu verschließen, wie oft man Mitläufer, Teil des Systems ist – ob jetzt aus Angst oder Bequemlichkeit – die Autorin legt den warnenden Finger darauf (ohne ihn moralisch zu erheben).

Und das hat mich an diesem Buch wirklich beeindruckt: Wie anschaulich Drewery es schafft, eine spannende Geschichte mit oberflächlich agierenden Personen zu schreiben, die aber unter der Oberfläche ein wirkliches Lehrstück bereit hält.

Wer sich auf dieses Buch einlassen kann, wird sich gut unterhalten fühlen und einiges zum Nachdenken haben.

Einen herzlichen Dank an den Verlag und NetGalley, die mir das E-Buch als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt haben. Ich gebe hier – trotz kostenlosem Exemplar  – meine eigene, ehrliche Meinung wieder …

 

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5 Gedanken zu “Heute lese ich …

  1. Die Geschichte erinnert mich ganz dezent an Death Race (Film) Die Wirtschaft ist zusammengebrochen und Gefängnisse werden von großen Firmen geführt und damit das ganze leistbar ist müssen die Häftlinge ins selbstgebauten Karren in einem Todesrennen gegeneinander antreten – das ganze wird Live im Fernsehen übertragen – entweder sie sterben oder müssen erneut antreten – gewinnt man fünf Mal das Death Race kommt man angeblich frei …damit das ganze extra würze bekommt erhalten die männlichen Fahrer weibliche Copiloten aus dem Frauengefängnis – die haben dann natürlich so gut wie nix an … zumindest bauchfrei und tiefer ausschnitt …

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