Heute lese ich …

Heute lese ich … „Bäume reisen nachts“ von Aude le Corff, erschienen als Taschenbuch 2014 im Insel Verlag.

51zwzii7psl-_sx308_bo1204203200_   Inhalt: Manon leidet seit Monaten unter dem Verschwinden ihrer Mutter und beginnt in ihrer Einsamkeit mit Katzen und Ameisen zu sprechen. Weder ihr Vater Pierre noch ihre Tante Sophie können zu ihr durchdringen. Doch als der alte Französischlehrer Anatole, der mit ihnen im Haus lebt, beginnt ihr aus dem Kleinen Prinzen vorzulesen, erwächst daraus eine außergewöhnliche Freundschaft. Und als dann eines Tages Briefe von Manons Mutter Anais eintreffen, beschließen die beiden mit Pierre und Sophie zusammen quer durch Frankreich und Spanien nach Marokko zu fahren, um diese dort zu suchen.

Auf dieses Buch bin ich im Zuge des ersten oder zweiten Buch-Dates gestoßen und ich wollte es unbedingt lesen. Das habe ich nun getan und ich muss sagen: Es hat mich sehr berührt.

Es ist ein poetisches Buch, das mit leisen Worten die Schicksale von fünf Menschen erzählt, die alle irgendwie zusammen hängen. Dabei steht zu Beginn die Freundschaft zwischen Anatole und Manon im Vordergrund, später erfährt man mehr über die Hintergründe von Anais, Pierre und Sophie. Neben dieser Freundschaft war für mich am schönsten die Wandlung des alten Lehrers Anatole zu beobachten. Waren v. a. für Manon und ihren Vater Pierre das Ende der Reise und das Treffen mit Anais am wichtigsten, galt für Anatole doch eher „Der Weg ist das Ziel“. Was für wundervolle und ergreifende Erfahrungen und Wandlungen durfte er erleben und damit verbunden eine neue Sicht auf viele Dinge.

„Vielleicht hat er sich geirrt: Nichts ist je vorbei, solange nicht der letzte Atemzug getan ist. Noch kann er sich neue Erinnerungen schaffen, ein Wagnis eingehen, Länder entdecken. Der alte nutzlose Mann kann noch seinen Beitrag leisten, ein Abenteuer erleben und vor allem ein Kind auf der Suche nach seinem versunkenen Schatz begleiten.“

Die Gefühle der kleinen Manon waren für mich überaus deutlich dargestellt, wie unendlich sie ihre Mutter vermisst und wie groß ihr Unverständnis für ihr Weggehen ist.

„Wenn man jemanden liebt, verlässt man ihn doch nicht, oder?“

Und so erlegt sich Manon ganz bestimmte, fast schon zwanghafte Rituale auf, wie z. B. die Katze auf eine ganz bestimmte Art und Weise so und so oft zu streicheln oder niemals auf die Fugen zwischen den Pflastersteinen zu treten.

“ Sie darf auf keinen Fall nachlässig werden. Ihre Mutter kommt nur dann zurück, wenn Manon bestimmte Aufgaben erfüllt.“

Das Buch vom Kleinen Prinzen wird ganz wunderbar in die Geschichte von Manon und Anatole eingefügt – mit Vergleichen zwischen den einzelnen Personen oder Zitaten aus dem Buch.

„“Anatole ist ein bisschen mein Pilot, und das Flugzeug, das er repariert, sind seine alten Knochen.“ …. „Du hast mit mir gesprochen, wie der Pilot mit dem Kleinen Prinzen. Und im Buch repariert er sein Flugzeug am Ende auch.““

Das Ende des Buches gipfelte mir persönlich ein wenig zu sehr in „Kitsch as Kitsch can“ und war ein wenig herausgerissen aus dem Rest des ansonsten leicht dahin plätschernden Buches – für Manon und Pierre war es wohl letztendlich die einzig richtige Lösung.

Dies ist wirklich ein ganz wundervolles, leises und poetisches Buch über eine wunderbare Freundschaft und noch mehr, das ich sehr empfehlen kann.

 

 

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14 Gedanken zu “Heute lese ich …

  1. schön 🙂 und sonst mag ich Kitsch-Happy-Endings auch nicht – aber gerade gerade fasse ich kein Buch an, bei dem ich weiß, dass am Ende nicht alles gut wird. Also eine klare Empfehlung derzeit für mich :-). Danke und liebe Grüße

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