[BUCHweltreise] Irgendwo im Nordatlantik….

Im Zuge der BUCHweltreise war ich auf den Färöer-Inseln und habe „Das Walmesser“ von C.R. Neilson, erschienen 2016 im Heyne Verlag, gelesen.

51jnamhmitl-_sx328_bo1204203200_       Dieses Buch spielt in einem Teil der Erde, bei dem ich zunächst dachte, es würde zu Dänemark gehören. Aber: Die Färinger sehen sich als autonomes Volk, unabhängig von der dänischen Krone, unter der sie stehen. Und sie bilden seit 2005 auch eine „gleichberechtigte Nation“ innerhalb Dänemarks. Und auch auf meiner Weltkarte stehen die Färöer-Inseln getrennt von Dänemark – insofern behandel ich die Inseln mal wie ein eigenes Land …. (Der Autor ist Schotte, aber da sind die Regeln der BUCHweltreise ja nicht so streng 🙂 )

Zum Inhalt: Der Schotte John Callum versucht seiner Vergangenheit zu entkommen, als er auf die kleine Inselgruppe im Nordatlantik flüchtet. Doch als er eines Morgens mit einem blutigen Messer in der Tasche erwacht, ohne Erinnerung an den vergangenen Abend, wird ihm schnell klar, dass dies nicht so einfach ist. Dann wird er des Mordes angeklagt und er muss sich der Gegenwart und der Vergangenheit stellen …

Direkt zu Beginn wird man als Leser in die Spannung hinein geworfen, als Callum nass und frierend erwacht und sich fragt, was er mit einem blutigen Messer in der Tasche macht, das sonst zur Waljagd benutzt wird. Erinnern kann er sich an einen Streit mit dem Exfreund seiner neuen Freundin. Aber was passierte danach? Schon zweifelt er an sich selbst …

„Das kleine Messer lag tonnenschwer in meiner Tasche, die Last des Zweifels zerrte mich nach unten.“

Nach diesem ersten Kapitel kommt eine Rückblende, in denen erzählt wird, was in den drei Monaten zuvor – beginnend mit der Ankunft von Callum auf den Inseln – passiert ist. Und hier erlebt man Spannung auf hohem Niveau: Immer wieder fallen Andeutungen zu Callums Vergangenheit, in denen auch eine gewisse Brutalität zu Tage kommt. Callum scheint jähzornig und aufbrausend und schreckt immer wieder aus wiederkehrenden, blutrünstigen Alpträumen hoch. Alles deutet schon fast auf ihn als Täter …..

„Hoch oben im Heideland über dem Hotel Föroyar trug der Wind meinen Geist fort, zurück in eine andere Zeit und an einen Ort, wo ich mich für das Falsche und gegen das Richtige entschieden hatte, wo ich zugelassen hatte, dass ich von der Gewalt verschlungen, kontrolliert, nach ihrem Bild geformt wurde.“

Neben der Spannung beschreibt der Autor die Insel in wunderschönen Worten, so dass ich trotz der angeblich 300 Regentagen im Jahr den tiefen Wunsch verspüre, dort hinfahren zu wollen und die schroffe Wildheit selbst auf mich wirken zu lassen.

„Wir fuhren parallel zu Fjorden, gegenüber von grünen Hügeln, die bedrohlich zu uns hinüberstarrten, ihre Spitzen bekränzt von tief hängenden Wolken. Riss der Nebel auf, sah man Hügel über Hügel und Gipfel über Gipfel, das endlos dahinrollende Werk gefräßiger Vulkankräfte, längst bewachsen von Wiesen.“ …… „Auf meinen Trecks durch die Hügel leisteten mir nur die Rufe der Dreizehenmöwen und das Kreischen der Eissturmvögel Gesellschaft, schrill krähende Varianten von Wagner- und Sousa-Kompositionen, die das Vorrücken der Zeit und den Wandel des Terrains markierten. Sonst gab es hier nichts.“

Und nicht nur die Natur wird dem Leser nahe gebracht, sondern auch die Mentalität der Inselbewohner. Trinkfest und offen, aber auch der Waljagd verpflichtet.

„Es wird von allen Männern der Insel erwartet, dass sie beim Töten mitmachen.“

Und die Szenen, die dort beschrieben werden, sind nicht für jeden geeignet.

„Das Meer war rot. Ein dunkles Blutrot.“ (Auf die ausführliche Beschreibung habe ich hier bewußt verzichtet.)

Immer wieder werden mir viele kleine Puzzleteilchen entgegen geschleudert, die mich auf Höchstspannung halten und die dann, kurz vor Ende des Buches, ihren richtigen Platz finden und ein stimmiges und unerwartetes Bild ergeben.

Die dichte Atmosphäre und die hohe Spannung, die der Autor erzeugt, und als Untermalung die wilde und schroffe Natur, begleitet von den offenen und liebenswerten Färingern, machen dieses Buch zu einem äußersten Lesegenuß. Ich kann es allerdings auch nur denjenigen Lesern empfehlen, die nichts gegen ein wenig Blut und Brutalität einzuwenden haben ….

Hier hat meine Reise richtig Spaß gemacht – habe ich doch einiges über dieses Völkchen und die kleine Inselgruppe im Nordatlantik, die aus 18 Inseln besteht, erfahren dürfen. Gespickt mit der hohen Spannung war dies wirklich eine Lesereise vom allerfeinsten!

Einen herzlichen Dank an den Verlag, der mir das Buch als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Ich gebe hier – trotz kostenlosem Exemplar  – meine eigene, ehrliche Meinung wieder …

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12 Gedanken zu “[BUCHweltreise] Irgendwo im Nordatlantik….

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  5. Ich habe mir kürzlich bei Youtube ein Video über die Farör-Inseln angeschaut und war ganz begeistert von der rustikalen Schönheit der Landschaft. Ein schönes Reiseziel und das Buch klingt wirklich gut, das setze ich gleich mal auf meine Wunschliste 🙂

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