Manchmal muss ich mir auch mal auf die Schulter klopfen …

Es gibt ein paar Dinge in meinem Leben, auf die ich wirklich sehr stolz bin.

Da wären zum einen natürlich meine Kinder (wobei ich wahrscheinlich erst, wenn die zwei erwachsen sind, weiß, ob ich wirklich stolz sein kann, was ich bzw. wir da geschaffen haben 🙂 ). Dann bin ich sehr stolz auf die Beziehung mit meinem Mann – 22 Jahre Beziehung und 20 Jahre Ehe – das bedeutet auch Arbeit.

Ich bin stolz darauf, dass ich mein Abitur über Erwachsenenbildung nachgeholt habe – zwar mit elternunabhängigem Bafög – trotzdem war das manchmal auch ein Kraftakt und zählt trotzdem zu den schönsten Zeiten in meinem Leben.

Stolz bin ich aber auch, dass ich etwas getan habe, wovon mir der Apfel-Opa immer wieder erzählt hat. Der sagt nämlich immer: „Wenn du etwas wirklich erreichen möchtest, dann gibt es immer Wege, dort auch hin zu kommen“. Und dann erzählt er regelmäßig die Geschichte von dem jungen Mann, der bei einer Computerfirma vor der Tür stand und um Arbeit bat. Die Firma wollte ihn aber nicht. Also blieb er freiwillig und fing an – ohne Lohn – den Hof zu fegen und andere kleinere Arbeiten ungefragt zu übernehmen. Die Macher der Firma waren davon natürlich unendlich beeindruckt und stellten den jungen Mann doch irgendwann ein. Und schließlich landete er auch irgendwann in einem gut bezahlten Job in der oberen Etage.

Ob sich das alles wirklich so zugetragen hat, weiß ich nicht. Aber als ich zu meinem Mann ins Rheinland zog und langsam hier sesshaft wurde, begab es sich, dass ich Stammkundin in einer Buchhandlung wurde und dort unbedingt arbeiten wollte. Leider war ich keine Buchhändlerin und die Buchhandlung wollte eigentlich auch niemanden im Verkauf einstellen. Aber da erinnerte ich mich an die Geschichte vom Apfel-Opa….

collage-2017-01-07-13_46_00_1483793219614   Über Umwege erfuhr ich, dass diese Buchhandlung für einen Mini-Job jemanden am Packtisch suchte. Das war nun nicht unbedingt das, was ich wollte – aber Hauptsache Buchhandlung, dachte ich mir und bekam den Job. Nun packte ich also ein paar Stunden in der Woche Bücher aus und wieder ein und brachte diese zur Post. In meinen Pausen und nach der Arbeit machte ich es wie der junge Mann: Ich schlich mich ins Untergeschoß , in meine Lieblingsabteilung – Kinder- und Jugendbuch – und half freiwillig, die Bücher in die Regale einzusortieren, aufzuräumen oder stöberte einfach so herum.

Zunächst waren davon die wunderbaren und netten Menschen, auf die ich im Untergeschoß traf, sehr angetan und freuten sich immer, wenn ich kam. Als Dank durfte ich bald Leseexemplare lesen und meine Meinung dazu kund tun.  Genau diese wunderbaren und netten Menschen erzählten dann der Chefin der Buchhandlung von meiner Arbeit und als dann das Weihnachtsgeschäft anstand, durfte ich tatsächlich in den Verkauf. Und dort stellte ich mich anscheinend so gut an, dass für den Packtisch eine neue Aushilfe gesucht wurde. Vom Mini-Job stieg ich schließlich auf zur Halbtagskraft und durfte bei den Vertretergesprächen mit dabei sitzen und sogar am Rande beim Einkauf beratend tätig sein.

Ich beriet meine Kunden und verkaufte Bücher und oft bekam ich auch Feedback, wie gut dieses oder jenes Buch gefallen hatte. Ich liebte diesen Job.

Und ich bin immer noch unsagbar stolz auf mich, dass ich das ohne Ausbildung und einfach weil ich es unbedingt wollte, geschafft habe.

Übrigens fällt mir gerade auf, dass ich hier inzwischen oft ähnliches tue: Ich lese Bücher und erzähle etwas darüber und empfehle sie (oder manchmal auch nicht). Und ihr seid so lieb und gebt mir ein Feedback und das finde ich sooo schön 🙂

 

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37 Gedanken zu “Manchmal muss ich mir auch mal auf die Schulter klopfen …

  1. Pingback: Von Lebensläufen und anderen Ereignissen … (Teil 3) | wortgeflumselkritzelkram

  2. Wow wie toll so etwas zu lesen! Du kannst sehr stolz auf dich sein, es tut sehr gut zu sehen, dass man im Leben etwas erreicht hat 💪. Mit diesem Beitrag machst du auch anderen Leuten Mut, die versuchen zu ihrem ,,Traumjob“ zu gelangen.

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  3. Ja, stolz sein kannst Du wirklich. Auch auf die Kinder zu jedem Zeitpunkt. Toll, dass Du darüber geschrieben hast. Es macht mir Mut, meinen Lebenslauf noch einmal zu überdenken. Ich bin nämlich überhaupt nicht stolz auf meine Leistungen. Das sollte sich ändern……

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      • Ja klar. Vor kurzem fiel mir z.B. mein Ordner in die Hände, der prall gefüllt ist mit meinen Unterlagen zu Examen, Fort-und Weiterbildungen. Da dachte ich, Regine Du hast ja wirklich viel geleistet in Deinem Leben. Der Verstand war einverstanden mit der Aussage, das Gefühl dazu stellte sich aber nicht ein. Vielleicht bin ich an dieser Stelle (Selbstwert) gefühlstaub. Dazu passt auch sehr gut, dass ich die Anerkennung der anderen mit dem Verstand wahrnehme, das Gefühl dazu fehlt.
        Na ja, zufrieden bin ich trotzdem. Und jetzt habe ich gerade meine Malsachen wieder hervorgeholt und ich bin fest entschlossen, mich zu einem Malkurs in der VHS anzumelden. Mit fröhlichen Grüßen! Regine

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  4. Weißt du was mir auffällt? (Ich lasse jetzt mal meine Psychologie-Ader raushängen), du nimmst deine eigene Leistung oft zurück oder schränkst sie ein. Du hast dein Abitur nachgeholt. Das ist super! Ist doch ganz egal, dass du dafür Bafög bekommen hast. Das stand dir dann ja offensichtlich auch zu. Du hast so tolles geleistet. Auch ganz ohne Einschränkung und Abers. 🙂

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  5. Respekt!

    Eigentlich müsste ich auf ähnliche Weise auch versuchen, doch noch im Buchhandel unterzukommen. Da gibt´s nur ein Problem: Ich kann nicht einpacken! 😉 Immer wenn ich das versuche, sieht das Ergebnis schrecklich aus. 🙂

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  6. Wow! Herzlichen Glückwunsch. In Deutschland hat man es als Quereinsteiger prinzipiell ja nicht leicht und da, wo es genau einen Ausbildungsberuf oder einen Studiengang quasi nur für den Job gibt, ist es ja beinahe unmöglich geworden. Deshalb: Super! Ich freu mich für dich. 🙂

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