erwischt

und da war es mal wieder soweit. bin ich eigentlich zu gutmütig oder schlichtweg blöd? oder liegt es ja eventuell doch an mir? immer wieder falle ich darauf – auf mich – hinein. samstag abend. das elfenmädchen möchte einen film gucken. nun ist es eben so bei pubertierenden mädchen, dass das selten filme sind, die der rest der familie sehen möchte. kein problem. wir haben ja genug platz und genügend fernseher (das klingt jetzt nach neureich. 37 zimmer und in jedem ein monster-3d-flachbildschirm. tatsächlich sind es zwei funktioniernde fernseher im ganzen haus). also: elfenmädchen ist versorgt. zur vorgeschichte muss ich sagen, dass am abend zuvor ähnliche diskussionen statt fanden, die damit endeten, dass ich mit dem elfenmädchen zusammen einen film schaute (weil elfenmädchen krank und nicht alleine sein wollte und ich eben gutmütig oder blöd bin oder einfach nur nett). zurück zu samstag abend. räuberhauptmann, mein mann und ich stehen mehr auf action. ich auch gerne auf science fiction oder dystopie. da stehen die männer nicht so drauf. nach dem dritten trailer war klar: männer und frauen können sich nicht einigen. und was mache ich? klar. ich ziehe mich zurück. entscheidet ihr, sage ich. und hoffe in meinem innersten, dass die männer in diesem haushalt sehen, dass ich schon öfter zurück gesteckt habe. und sagen: wir gucken den film, der dir vorhin so gut gefallen hat. lacht ihr? tja, ich nicht. haben sie natürlich nicht gesagt. haben auch nicht verstanden, dass ich angesickt war. vor allem, als ich dann feststellte, dass das elfenmädchen ihren film mitnichten auf ihrem laptop in ihrem zimmer schaut, sondern im elterlichen schlafgemach am zweiten fernseher im haus. also sitze ich nun mit wein und buch, was ich gerade nicht gemütlich im bett liegend lese, im mini-büro an meinem laptop und höre die nachbarn draußen im garten lachen und ärgere mich. nein, nicht über die männer in diesem haus und auch nicht über das elfenmädchen. ich ärgere mich über mich selbst. weil ich es wieder nicht geschafft habe, meinen mund aufzumachen und zu sagen, was ich will. was ich mir wünsche. meine erwartungen, meine vorstellungen zu äußern. das begleitet mich tatsächlich schon mein ganzes leben. immer wieder stecke ich bei solchen sachen zurück. klar, letztendlich sind es kleinigkeiten, könntet ihr sagen. aber in der summe. da summiert es sich. und es ärgert mich. ärger über mich. keine lebensnotwendigkeiten. ich werde auch den heutigen abend überleben, auch wenn ich film xxy nicht gesehen habe. das weiß ich. aber immer wieder laufe ich in diese falle. ausflugsziele? ich stelle meine wünsche hinten an. geplantes essen? ich sage nix. kinoauswahl? entscheidet ihr. was macht das mit mir? es macht mich sauer, unzufrieden und undankbar. und ich muss aufpassen, dass ich noch sehe, dass ich es bin, die sich da rein manövriert hat. aber verbal um-mich-schlagend verteile ich die schuld auf die anderen familienmitglieder, damit sich auch möglichst jeder schlecht fühlt, wenn er denn dann seine filme schaut. und was sagt das dann über mich aus? ich bin nicht gutmütig. ich bin auch nicht blöd (sonst könnte ich ja hier nicht so schön selbst reflektieren). ich bin hoffentlich lernfähig. ich könnte mir einen großen zettel irgendwo hin hängen. darauf steht in großbuchstaben (die ich eigentlich ja gar nicht so mag. obwohl mir da witzigerweise gerade einfällt, dass ich als jugendliche tatsächlich eine ganze zeit lang alles in großbuchstaben geschrieben habe. mit der hand wohl bemerkt…). zurück zum zettel…in großbuchstaben steht da vielleicht drauf SEI NICHT BLÖD! MACH DEINEN MUND AUF!  oder so. dann verstehen es gleichzeitig vielleicht auch die anderen familienmitglieder und unterstützen mich vielleicht. in dem sie vielleicht sagen, heute bist du mal dran. such dir was aus, was du machen möchtest….

Advertisements

12 Gedanken zu “erwischt

  1. Nix gibt’s! Keine eigenen Bedürfnisse abschaffen. Stinkstiefel anziehen und munter durchstapfen. Bringt doch keinem was! Als Mama ist man mitunter Häuptling und Manager, da wird’s manchmal halt auch ungemütlich, aber der Häuptling hält eben auch alles zusammen, dem muss es gut gehen! Ganz wichtig!

    Gefällt 1 Person

  2. Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, eigene Bedürfnisse abzuschaffen, das würde solche Probleme lösen. Andererseits nerven mich solche selbstlosen Menschen, weil sie oft wehleidig sind.
    Wenn es beim nächsten Mal so läuft, könntest du Cola übers Sofa kippen … Verzweifelte Situationen erfordern verzweifelte Maßnahmen. 😉

    Gefällt 1 Person

  3. Aus eigener leidvoller Erfahrung kann ich sagen, dass permanentes Zurückstecken hinsichtlich eigener Wünsche zu einer emotionalen Anstauung führt, die sich – zumindest bei mir – entlädt, indem man plötzlich Menschen anschreit, die einem nahestehen und die – völlig zu Recht – überhaupt nicht damit rechnen, angeschrien zu werden. 😉

    Man muss sich ja nicht immer durchsetzen, aber von Zeit zu Zeit seine Sicht der Dinge kundtun, das kann schon nicht schaden. 😉

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s